CDU Ortsverband Bodenheim
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03.09.2017, 19:16 Uhr | AZ Mainz / Helena Sender-Petry
"Wir entscheiden, was für den Kreis gut ist"
CDU Mehrheit für Große Koalition / Massive Kritik aus VG Rhein-Selz
Am En­de konn­ten sich die Be­für­wor­ter ei­ner Gro­ßen Koa­li­ti­on im Land­kreis Mainz-Bin­gen auf der CDU-Mit­glie­der­ver­samm­lung am Don­ners­tag­abend in Bin­gen durch­set­zen. Doch Do­ro­thea Schä­fer, ab dem 1. Ok­to­ber Land­rä­tin, weh­te ein hef­ti­ger Wind aus dem Süd­kreis ent­ge­gen. Die Geg­ner, das Gros aus der Ver­bands­ge­mein­de Rhein-Selz, käm­pften lei­den­schaft­lich, um ein Zu­sam­men­ge­hen mit der SPD zu ver­hin­dern.
 
Da half es auch nicht, dass Dr. Jo­achim Ge­rhard zu Be­ginn der Aus­spra­che den Sinn ei­ner "sta­bi­len Mehr­heit im Kreis­tag" ver­deut­lich­te, dass Do­ro­thea Schä­fer we­nig Ge­stal­tungs­mög­lich­kei­ten ha­be, "wenn es so bleibt, wie es ist". Ge­rhard zeig­te Ver­ständ­nis für die sehr spe­ziel­le Si­tua­ti­on in Op­pen­heim, wo die CDU erst vor we­ni­gen Ta­gen die Koa­li­ti­on mit den Ge­nos­sen im Stadt­rat auf­ge­kün­digt ha­be, doch: "Wir ent­schei­den hier, was für den Kreis gut ist. Wir su­chen nach dem er­folg­reich­sten Weg." Doch die­ses Ar­gu­ment ver­moch­te die Kri­ti­ker und Geg­ner nicht zu be­sänf­ti­gen. So mach­te ein Christ­de­mo­krat aus Hei­des­heim sei­nem Är­ger Luft, er hielt Schä­fer ent­ge­gen, sie ha­be die "ro­te Front von In­gel­heim über Hei­des­heim nach Mainz" durch­bre­chen wol­len. Mit ei­ner Gro­ßen Koa­li­ti­on sei ein "nach­hal­ti­ges Ar­gu­ment flö­ten ge­gan­gen", die Glaub­wür­dig­keit neh­me des­halb Scha­den, "wir müs­sen die Bür­ger, die zur Wahl ge­gan­gen sind, auch ernst neh­men". Auch Mi­cha­el Stork, bis En­de Ju­ni haupt­amt­li­cher Beige­ord­ne­ter der VG Rhein-Selz, hielt da­ge­gen, mahn­te, dass Schä­fer ge­wählt wur­de, weil sie ei­nen po­li­ti­schen Wech­sel im Kreis ver­spro­chen hat­te. Er warn­te vor den "Strip­pen­zieh­ern der SPD, die auch im Land­kreis un­ter­wegs sind und auch Per­so­nen aus der CDU len­ken". Es sei an der Zeit, die "Macht­zöp­fe der SPD" ab­zu­schnei­den. Mit ei­nem haupt­amt­li­chen Beige­ord­ne­ten, der "mit auf der Brü­cke sitzt", sei die SPD wei­ter am Ru­der. Stork be­an­trag­te, die Ge­sprä­che mit den klei­nen Par­tei­en, mit FWG, FDP und Grü­nen, wie­der auf­zu­neh­men, um aus­zu­lo­ten, ob ei­ne Koa­li­ti­on mit die­sen Part­nern doch noch mög­lich sei. Um es vor­weg­zu­neh­men: Storks An­trag fand kei­ne Mehr­heit.
 
Auch die Aus­füh­run­gen von Pe­ter Pfau, CDU-Stadt­ver­bands­vor­sit­zen­der in Op­pen­heim, konn­ten nur bei Mit­glie­dern aus dem Süd­kreis punk­ten. Er ha­be mit "Schre­cken ver­nom­men", dass ei­ne Gro­ße Koa­li­ti­on ge­plant ist. Denn: "Dann müss­ten wir wo­mög­lich ei­ne Beige­ord­ne­te ak­zep­tie­ren, die ei­ne Mit­strei­te­rin von Mar­cus Held ist." Ge­meint war Ste­pha­nie Kloos, SPD-Frak­ti­ons­sprech­erin im Op­pen­hei­mer Stadt­rat. Aus Sicht von Pfau sei die­se Per­so­na­lie nicht ver­mit­tel­bar. Zum Hin­ter­grund: Ge­gen den Op­pen­hei­mer Stadt­bürg­er­meis­ter und SPD-Bun­des­tags­ab­ge­ord­ne­ten Mar­cus Held lau­fen Er­mitt­lun­gen we­gen Un­treue mit Blick auf Grund­stü­cksge­schäf­te (die AZ be­rich­te­te mehr­fach). Ähn­lich sah es auch der Hei­des­hei­mer Hans-Chris­ti­an Fröh­lich, der ei­ne Ko­ope­ra­ti­on mit der SPD vor­schlug und den Zwei­ten haupt­amt­li­chen Beige­ord­ne­ten für die CDU ein­for­der­te. Das wür­de ei­ne Ab­wahl der Grü­nen-Beige­ord­ne­ten Ur­su­la Hart­mann-Gra­ham be­deu­ten, was Schä­fer auch in Bin­gen ka­te­go­risch ab­lehn­te. Franz-Jo­sef Kolb brach­te schließ­lich auf den Punkt, was die Geg­ner der Gro­ßen Koa­li­ti­on eint: "Es wird jetzt so ge­tan, als sei dies ei­ne Ver­nunft­ent­schei­dung. Wer die Si­tua­ti­on ana­ly­siert, muss zu ei­nem ganz an­de­ren Er­geb­nis kom­men." Viel wich­ti­ger als ei­ne Rhein­brü­cke sei die Glaub­wür­dig­keit der CDU-Po­li­tik. Und wei­ter: "Was die Leu­te an­kotzt, ist der SPD-Filz in Rhein­land-Pfalz." Mit Blick auf die Si­tua­ti­on in Op­pen­heim und die Cau­sa Held sprach Kolb von ei­nem "To­tal­ver­sa­gen der Kom­mu­na­lauf­sicht in der Kreis­ver­wal­tung". Sei­ner Mei­nung nach aus­rei­chend Grün­de, ge­gen ei­ne Gro­ße Koa­li­ti­on zu stim­men.
 
Schließ­lich schlug die Stun­de der Be­für­wor­ter, al­len vo­ran CDU-Ur­ge­stein und Eh­ren­vor­sit­zen­der Franz-Jo­sef Bi­schel: "Wich­tig ist, dass die Par­tei ei­nig bleibt. Nur so sind die gro­ßen Auf­ga­ben, die an­ste­hen, zu meis­tern." Die CDU sol­le "der Ein­sicht und nicht dem Ei­fer und dem Ge­fühl fol­gen". In Rich­tung Rhein-Selz ap­pel­lier­te er, "nicht ei­ge­ne Er­fah­run­gen zum Maß­stab zu ma­chen". Ziel müs­se es sein, Schä­fer ei­ne reel­le Chan­ce zu er­mög­li­chen, den Kreis nach vor­ne zu brin­gen. Zu­dem, auch das ließ Bi­schel nicht un­er­wähnt, "spie­len Leu­te von uns auch nicht im­mer die glü­cklich­ste Rol­le in ei­ni­gen Re­gio­nen des Krei­ses".
 
SPD-VO­TUM
 
Eben­falls am Don­ners­tag tag­ten die SPD-Mit­glie­der in Bo­den­heim. Die Ver­samm­lung war nicht­öf­fent­lich. Auf AZ-An­fra­ge teil­te der Kreis­vor­sit­zen­de Sal­va­to­re Bar­ba­ro mit, dass die SPD nach "kons­truk­ti­ven Dis­kuss­io­nen" mit gro­ßer Mehr­heit für die Gro­ße Koa­li­ti­on ge­stimmt hat.