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01.07.2017, 05:41 Uhr
Die Gelassene – Dorothea Schäfer und ihr Weg ins Landratsamt Mainz-Bingen
AZ vom 01.07.2017


Es geht das Gerücht, dass nach dem Wahlsieg von Dorothea Schäfer in der Kreisverwaltung in einigen Büros die Sektkorken knallten. Die designierte Landrätin, von 2012 bis zur Kommunalwahl 2014 ehrenamtliche CDU-Kreisbeigeordnete, scheint einen guten Eindruck als Vorgesetzte hinterlassen zu haben. Täglich vor Ort in Ingelheim war sie nicht, schließlich erfüllte sie als Landtagsabgeordnete noch andere Pflichten, was unterm Strich wohl ein entspanntes Arbeiten in der von ihr verantworteten, weit verzweigten Sozialabteilung garantierte. Schäfer ist nicht der Typ, der mit Macht und Druck agiert. 
Sie zu unterschätzen, wäre allerdings ein Fehler, auch wenn sie, und davon ist auszugehen, zunächst niemandem dezidiert erklären wird, wer der Koch und wer der Kellner ist. Dafür ist sie zu klug. Schließlich ist sie auf das gut geölte Räderwerk Kreisverwaltung, das sie ab Oktober am Laufen halten muss, angewiesen. Die Kooperation aller 1300 Mitarbeiter ist zwingend notwendig, weil eine Landrätin in erster Linie die Chefin einer großen Verwaltung ist, was bisher nicht zu Schäfers Kernkompetenzen zählte. Sie wird sich durchbeißen, und zwar mit der ihr eigenen Zähigkeit und Entschlossenheit. Vordergründig gelassen und unaufgeregt wird sie zu Werke gehen, genauso, wie sie jeden Widerstand in den eigenen Reihen fast unbeschadet überstand. So verhinderte sie durchaus geschickt die Kandidatur des Binger Oberbürgermeisters Thomas Feser, als es 2013 um die Nachfolge von Thomas Günther als Kreisvorsitzendem ging. Das war umso bemerkenswerter, weil diesen Job über Jahre niemand wollte. Plötzlich gewann das Amt ungeahnte Attraktivität. Schäfer musste dazwischengrätschen und den Posten für sich beanspruchen, immer das klare Ziel vor Augen: Landrätin im Kreis Mainz-Bingen. Feser erst mal kaltzustellen, der später keinen Hehl daraus machte, dass auch er mit dem Chefsessel in Ingelheim geliebäugelt hatte, war zumindest ein Etappensieg. Von Stund an gab es für Schäfer keinen Grund mehr, in Hektik zu verfallen. Längst hatte sie sich positioniert und Mehrheiten in der Kreis-CDU gesichert, was schließlich Feser im vergangenen Jahr die Waffen strecken ließ. Der Weg war endgültig frei für Dorothea Schäfer.
 
Gleich zwei Brücken im Blick
 
Amüsiert mag die nun 55-Jährige auf die fast schon verzweifelte Kandidatensuche der SPD geblickt haben. Dass sie nicht gegen Schwergewichte wie Marianne Grosse oder Ralph Spiegler antreten musste, machte die Sache umso einfacher. Der zehn Jahre währende Dauerwahlkampf hatte sich also gelohnt, nun setzte sie zum Endspurt gegen Salvatore Barbaro an. Eigene Visionen, die über die Pflichtaufgaben einer Kreisverwaltung hinausgehen, entwickelte sie kaum. Allerdings verstand sie es geschickt, sich an Themen dranzuhängen, die andere setzen. Der sogenannten Kreiswohnungsbaugesellschaft, ein Kernanliegen der SPD, gewann sie dann doch einen gewissen Charme ab. Und auch die Brücke – Schäfer hat gar zwei für Mainz-Bingen im Blick – rückte erst dann wieder in ihren Fokus, als es sich lohnte. Zur Erinnerung: Zwischen 2012 und 2014 stand eine Brücke nie auf ihrer Agenda. Damals hatten CDU, FDP und FWG die Mehrheit im Kreistag. Im Wahlkampf jubelte nun auch die FDP ob der Kooperation der CDU-Kandidatin, Schäfer machte sich stark für Bürgerbegehren und Machbarkeitsstudie, versäumte keinen Brückengipfel und verkündete auf Facebook, dass sie "für die dringend erforderliche Verkehrsentlastung durch die Rheinbrücken" kämpft. Und weiter: "Eine Brücke kann nicht einfach irgendwo, zu Lasten von Flora und Fauna, gebaut werden. Deswegen sollen umfangreiche Machbarkeitsstudien durchgeführt werden, um den idealen Platz zu ermitteln." Auf die Frage, ob es rechtlich überhaupt statthaft ist, dass sich der Landkreis in die Pflicht nimmt, hat die designierte Landrätin bisher keine Antwort. Gleiches gilt für die von ihr propagierte Kooperation des Kreises mit der Stadt Mainz mit Blick auf Sportstätten. Wo sollte diese Sportstätte gebaut werden? Und wer zahlt? Und macht es überhaupt Sinn? Sollen die Sportler aus Mainz dann zum Training in den Landkreis fahren? Oder umgekehrt? Als es um ein neues, seit vielen Jahren öffentlich diskutiertes zusätzliches Sportbecken im Regionalbad Rheinwelle in Gau-Algesheim ging, das Ingelheim und Bingen nicht finanzieren wollen, sprang Schäfer auf diesen Zug auf, brachte unvermittelt Kreiszuschüsse ins Spiel. Dabei hätte sie wissen können, dass sich der Kreis beim Bau der Rheinwelle mit Blick auf den Schulsport bereits finanziell engagiert hatte.
 
Blickwechsel: Aktuell müsste Dorothea Schäfer mit einem Kreistag zusammenarbeiten, in dem die Koalition aus SPD, FWG und Grüne das Sagen hat. Doch längst ist dieses Gefüge in Bewegung geraten. So bremsten zwölf von 18 Christdemokraten, gegen Schäfers Willen, aber unterstützt von zwei Genossen, die Freien Wähler aus, die im Mai die Nachfolge des Ersten hauptamtlichem FWG-Beigeordnete Adam Schmitt eintüten wollten. War das ein erster Schritt hin zu einer Großen Koalition? Nach Informationen dieser Zeitung wurden bereits vor der Wahl die ersten Pflöcke eingeschlagen, bei einem Treffen in Nierstein sollen konkrete Verhandlungen geführt worden sein. Schäfer hätte, sollte es dazu kommen, eine komfortable Mehrheit. Und die SPD den Ersten hauptamtlichen Beigeordneten. Nach der verlorenen Wahl ein "Trostpflaster" für die Sozialdemokraten, das ihnen auf acht Jahre eine zentrale Position im Kreisvorstand sichert. Ob Schäfer mitspielt, die nie eine Freundin Großer Koalitionen war, bleibt abzuwarten. Nach der Kommunalwahl 2014 wusste sie es zu verhindern. Doch damals war die Gemengelage eine andere, sie musste sich gegen die eigenen Leute durchsetzen, um nicht das Heft parteiintern aus der Hand zu geben. Für Schäfer ticken die Uhren jetzt anders. Ab Oktober ist sie die Landrätin. Sie braucht die SPD nicht, um Mehrheiten zu beschaffen. Eine Konstellation aus CDU, FWG und Grüne, dazu die Stimme der Landrätin, ist auch ein komfortables Polster. Wäre da nicht die Brücke – wo auch immer – über den Rhein, die die Grünen partout nicht wollen. Doch: Es lässt sich in der Politik alles gestalten. Nach Wahlen erst recht und sowieso.